Ausschnitt aus „Mando 5er“ von Dieter Stanzel


Musik an der Käthe-Kollwitz-Schule


Die Käthe-Kollwitz-Schule ist eine „Schule mit besonderer musikalischer Förderung“. Dieses Prädikat hat sich die Schule in nunmehr 20 Jahren intensiver Arbeit in Chor- und Bandprojekten erarbeitet. Was im Jahre 1990 im Rahmen der ersten „Projektwoche“ der KKS als ein Projektangebot unter vielen begann, machte die damals beteiligten Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Dieter Stanzel zu einer der erfolgreichsten Schulbands landesweit: zweimal in Folge gewann die „KKS-Band“ den vom HR, dem Hess. Kultusminister und dem Verband der Schulmusiker veranstalteten Schulbandwettbewerb „schulbands hessen“, ein Erfolg, der seinesgleichen sucht.


Bemerkenswert dabei: nicht nur, dass sich immer wieder neue talentierte junge Musiker in dieser Band einfinden, die meisten der „Gründungsmitglieder“ hielten der KKS-Band über viele Jahre die Treue, weit über ihre Schulzeit an der KKS hinaus. Und wenn – wie in den vergangenen Jahren – Großprojekte der eigenen Veranstaltungsreihe „Ich will Gesang, will Spiel und Tanz“ zur Aufführung kommen, geben sich immer wieder die „Ehemaligen“ der KKS-Band, viele inzwischen längst zu professionellen Musikerinnen oder Musikern avanciert, gerne als musikalische Gäste ein Stelldichein.



Stolz ist die KKS aber auch auf die sogenannte „musikalische Breitenförderung“: Keyboardunterricht – ermöglicht durch die Anschaffung einer nur wenigen Schulen eigenen Schulkeyboardanlage mit 28 Keyboards – oder Ensemblemusizieren im Klassenverband dank eines kompletten Orff-Instrumentariums aus Xylophonen, Metallophonen und Percussion-Instrumenten ermöglichen die musische Förderung auch derjenigen Schülerinnen und Schüler, die privat kein Instrument erlernen oder spielen.
Percussion-Instrumente wie Cajons, Djembes und weitere Instrumente der „African – und Latin-Percussion“ , deren Anschaffung in Klassenstärke im Schuljahr 201213 durch den Förderverein der KKS ermöglicht wurde, erweitern das Klassenmusiszieren auch mit diesem Instrumentarium, zumeist unter Anleitung des Musikpädagogen Florian Schröder, der als ausgebildeter Schlagzeuger die Rhythmen und Grooves mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet.



Percussion auf Cajons

Aktuell strebt die Käthe-Kollwitz-Schule die Zertifizierung als „Schule mit Schwerpunkt Musik“ an. Hierfür müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, so zum Beispiel die Einrichtung einer Musikklasse, die Musikunterricht vom 5. Bis zum 10. Schuljahr haben wird. Bereits für das kommende, spätestens aber für das Schuljahr 2015/16 ist die Einrichtung einer solchen Klasse als „Vocalklasse“ mit Schwerpunkt (Chor-) Gesang vorgesehen. Diese Klasse wird zusätzlich in einer dritten Musikstunde von einem „Vocalcoach“ betreut. Die in den Jahrgangsstufen 5 und 6 hierbei erarbeiteten Grundlagen sollen dann im Chorunterricht, der seit dem Schuljahr 2011/12 auch im Wahlpflichtbereich für die Jahrgänge 7/8 und 9/10 angeboten wird, fortgeführt werden.
Auch die Versorgung mit Fachkräften – insgesamt 8 Musiklehrer/innen unterrichten an der KKS – bietet hierfür eine sehr gute Ausgangslage.
Die Fachkonferenz Musik hat ein Konzept für ein erweitertes Angebot an Instrumentalunterricht im WPU- und Nachmittagsangebot vorgelegt, das Unterricht sowohl für Klavier/Keyboard, Gitarre und Mandoline, Violine, Flöte als auch Schlagzeug und Percussion beinhaltet. Angebote für weitere Instrumente, insbesondere Blech - und Holzblasinstrumente, sollen über eine Kooperation mit einer Musikschule oder einem Orchester vor Ort realisiert werden.

Damit wird die „Öffnung von Schule“, wie sie überaus erfolgreich seit mehreren Jahren in der Kooperation mit der „Ballettschule im Schloss“ (frühere Leitung: Ursula Neuhaus, heute Michael Schimmer) besteht, erweitert. Erweitert wird das Angebot sicher auch durch die geplante Gründung eines Fachbereichs
„Musisch-ästhetische Bildung und Erziehung“, dem u.a. neben Musik die Fächer Kunst und Darstellendes Spiel („D S“) angehören werden, das mittlerweile in vielen Bundesländern bereits Prüfungsfach des Abiturs ist. Erste Erfahrungen hierzu wurden bei den Projekten wie „Best of Musicals“, „ABBA – The Music, The Story“ oder „Rock & Pop “ gemacht, an denen nicht nur das Fach Musik, sondern auch die Multimedia-AG oder die Fächer Kunst, Arbeitslehre und die Theater-AG beteiligt waren. A propos Thater-AG: bereits in den frühen 90er Jahren gab es mehrere gelungene Beispiele fachübergreifender Projekte der Theater – AG unter Leitung von Dorit Pomplun und der Bandprojekte der KKS-Band und No-Name-Band unter der Leitung von D. Stanzel und Sigrid Bell: „Himmel, Erde, Luft und Meer“, „Momo“ oder „U Sieben“ (nach „Linie 1“ des Berliner „Grips-Theaters“). Und schließlich sollte eine weitere Veranstaltung Erwähnung finden: Unter dem Titel „Abend der leisen Töne“ machten Uwe Sommerfeld, damaliger Leiter der „Kammermusik-AG“, und Dieter Stanzel deutlich, dass Musik weder Grenzen kennt noch überdimensionierter Phonstärken bedarf. In einer gelungenen Symbiose wurden Kammermusikstücke und die Grenzen von E- und U-Musik verschmelzende Beispiele von „Welt“-Musik präsentiert.




Auch nunmehr seit fast 20 Jahren eine feste Größe in der Kulturszene von Langenselbold und Umgebung: Der
„KKS-Chor“ unter der Leitung von Dieter Stanzel. Für einen Schulchor einer Mittelstufenschule ist dabei das hohe Niveau bemerkenswert: mehrstimmige Gesangssätze, besonders durch die Mitwirkung von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und „Ehemaligen“ sowie die gezielte Förderung talentierter Solistinnen ermöglicht, verschafft dem Chor eine musikalische Bandbreite, die in der Vergangenheit bereits zu häufigen außerschulischen „Engagements“ geführt hat. So ist der KKS-Chor zusammen mit der KKS-Band mit zwei Titeln auf der offiziellen Hessentags-CD der Stadt Langenselbold vertreten. Gemeinsam mit der KKS-Band und dem Chor der Jahrgänge 5/6 unter der Leitung von Veronika Roth und Florian Schröder gestaltet er die Themenkonzerte der Reihe „Ich will Gesang, will Spiel und Tanz.“

Solche Projekte bereichern die Arbeit einer Schule: sie fördern nicht nur die Kreativität der beteiligten Schülerinnen und Schüler, sondern in ganz besonderem Maße auch die soziale Kompetenz und – durch die vielschichtige Beteiligung an einer kulturellen Aufgabe – die kognitiven Fähigkeiten im Sinne eines kompetenzorientierten Lernens
. „Musik macht Kinder schlauer, fördert das Sozialverhalten und baut Aggressionen ab“, eine Erkenntnis, die durch wissenschaftliche Erhebungen in den vergangenen Jahren mehrfach untermauert wurde.

>>Um kreativ Probleme lösen zu können, muss man kreativ denken können<<

Heutzutage wird Kreativität leider viel zu häufig durch „Effizienz“ ersetzt. Hier fällt das außergewöhnliche Projekt von Sir Simon Rattle ein: „Rhythm is it !“, der gelungene Versuch der Umsetzung von Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ als Klassisches Ballett mit Berliner Schülerinnen und Schülern aller Schulkategorien. Was dabei besonders fasziniert:

  • der Mut, außergewöhnliche Wege zu gehen, sich mit Dingen zu beschäftigen, die Zeit kosten, dabei auch Umwege zuzulassen

  • die Zufriedenheit und der Stolz der Beteiligten, die sie auf der Bühne eine nie vermutete Leistungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit erlangen ließ. Gibt es eine schönere Umschreibung von „Selbst“bewusstsein ?

  • der stetig wachsende Anspruch der Beteiligten an sich selber und die Identifikation mit einer Aufgabe, die zunächst als irritierend oder befremdend wahrgenommen wurde


In einer vom HKM herausgegebenen Broschüre mit dem Titel „Musik entdecken – Musik machen“ (Wiesbaden 2004) wird sehr deutlich auf die für einen ganzheitlichen Bildungsansatz zentrale Bedeutung der Musik in der Schule hingewiesen:
„Zuhören lernen“ bedeutet Training der Wahrnehmungsfähigkeit, „Musikkultur erleben“ bzw. „Musik machen“ kann gerade durch die aktive Beteiligung der Schüler/innen an ihrem kulturellen Umfeld Barrieren verschwinden lassen, Berührungsängste mit diesem Medium abbauen und dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler – anstatt sich immer nur von ihr berieseln zu lassen – Musik als wichtigen Teil ihres Lebens empfinden.


Dieter Stanzel Langenselbold, im April 2014
(Fachleiter Musik)